Fachgebietsübergreifende Implementierungsforschung in der medizinisch-psychologischen Versorgung

Unsere Forschung
Neben unseren verschiedenen Vertiefungsthemen wie der ländlichen Versorgungskohorte LäKoSA, der Psychosomatik oder Notfall- und Intensivmedizin, beschäftigen wir uns auch mit allgemeineren Forschungsfragen. Ein wichtiges Thema ist die Entwicklung eines Instrumentes zur Erfassung der Implementierungsbereitschaft (Readiness for Implementation Scale, RIS) – wenn man so will, einer besonderen Art der Readiness for Change – sowie dem aktuellen Stand des Einbezugs von Patientenberichten in die Behandlung – und zwar digitalen Patientenberichten, sogenannten ePROMs.
Die Erfassung von Patient:innenberichten zu gesundheitlicher Verfassung, Lebensqualität und Behandlungserfahrungen – sogenannten Patient-Reported Outcome Measures (PROMs) – ermöglicht es, subjektive Einschätzungen der Patient:innen in den Behandlungsprozess einzubeziehen. Damit wird eine kontinuierliche Abbildung der individuellen Gesamtsituation auch außerhalb von Arzt- und Klinikbesuchen gewährleistet.
PROMs erfassen Symptome und Einschränkungen, die im Rahmen regulärer Konsultationen oftmals unberücksichtigt bleiben. Sie können Verschlechterungen des Gesundheitszustandes von Patient:innen frühzeitig identifizieren, die Arzt-Patienten-Kommunikation verbessern und zur Evaluation der Wirksamkeit medizinischer Maßnahmen beitragen.
Der Einsatz von PROMs stärkt somit die Perspektive der Patient:innen und verleiht deren Erfahrungen innerhalb des Versorgungsgeschehens ein höheres Gewicht. Die elektronische Umsetzung (ePROMs) erhöht zugleich Effizienz und Praktikabilität. Richtig angewendet, ermöglichen sie eine niedrigschwellige Rückmeldung, eine technisch gestützte Auswertung sowie automatische Warnhinweise bei kritischen Angaben.
Bislang werden Patient:innenberichte in Kliniken jedoch nur unregelmäßig – in schriftlicher, mündlicher oder elektronischer Form – erhoben. Um die Voraussetzungen für eine systematische und breit angelegte Anwendung von ePROMs zu schaffen, ist zunächst eine Bestandsaufnahme erforderlich, die den aktuellen Stand der Nutzung ermittelt. Eine anschließende Beobachtungsstudie (fokussierte Ethnografie) soll vertiefende Einblicke in erfolgreiche und weniger erfolgreiche Umsetzungen von PROMs/ePROMs liefern.

Die Messung des Implementierungserfolgs wird in der aktuellen Literatur immer wieder kritisch hinterfragt. Unklar und wenig erforscht, ist jedoch inwieweit aktuelle Behandler überhaupt dazu bereit sind, sodass eine Skala zur Messung der Motivation von Gesundheitsprofessionellen zur Implementierung von Innovationen und evidenzbasierten Maßnahmen im Gesundheitswesen entwickelt werden soll.
Ziel dieses Projekts ist es, ein wissenschaftlich fundiertes Instrument bereitzustellen, das die Bereitschaft und Antriebskraft von Fachkräften erfasst, neue Konzepte in die Praxis zu integrieren. Die Skala soll dazu beitragen, Barrieren und förderliche Faktoren der Implementierung besser zu verstehen und gezielte Unterstützungsstrategien zu entwickeln.
Konkret soll eine bereits bestehende Skala zur Messung der motivationalen Veränderungsbereitschaft von Patienten in die Sichtweise Gesundheitsprofessioneller auf den Aspekt der Implementierungsbereitschaft adaptiert werden.
Dabei sind folgende Schritte geplant:
• Anpassung der Items durch verschiedene Expertenbefragungen
• Validierung der Skala über unsere weiteren Projekte
Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Verbesserung der Versorgungsqualität und Nachhaltigkeit von Innovationen im Gesundheitsbereich.
Sie wollen unsere Studien unterstützen?
Sie haben Fragen, Anregungen, möchten sich als Proband beteiligen oder wissenschaftlich mit uns kooperieren? Schreiben Sie uns gerne oder rufen Sie uns an.
Team
Neuigkeiten
Hier finden Sie Nachrichten zu Veranstaltungen, Veröffentlichungen und anderen Neuigkeiten aus unseren Projekten.
Partner

Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg
Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (KPSM), Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.

Städtisches Klinikum Dessau, Kooperationspartner im Teilprojekt Telekonsil

Johanniter-Krankenhaus Stendal, Kooperationspartner im Teilprojekt Telekonsil
Prof. Dr. Michel Wensing, Professur für Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaft, Medizinische Fakultät, Universität Heidelberg
apl. Prof. Dr. Christoph Nikendei und Nadja Gebhardt, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg

Prof. Dr. Robert Werdehausen, Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.