Damit Erkenntnisse Leben retten – Forschung in Notaufnahme und Intensivstation.

Das Projekt untersucht die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse in hochdynamischen Versorgungsbereichen.

Gruppenbild des Teams vom Projekt Notfall- und Intensivmedizin

Unsere Forschung

Inhalte & Ziele

Im Teilprojekt A untersuchen wir, wie evidenzbasierte Versorgungs- und Nachsorgekonzepte für Patient:innen während und nach Notfall- und Intensivbehandlung in der medizinischen Versorgungspraxis umgesetzt werden können.

Dabei analysieren wir Barrieren, fördernde Faktoren und Kontextbedingungen, um gezielt mit geeigneten Implementierungsstrategien zu einer nachhaltig verbesserten Versorgung beizutragen.

Die Perspektiven von Mediziner:innen, Pflegekräften, angelehnten Professionen und Patient:innen werden systematisch berücksichtigt. Ziel ist es, robuste Erkenntnisse zu den Gelingensbedingungen evidenzbasierter Versorgung zu gewinnen und umzusetzen – mit besonderem Fokus auf die strukturschwache Region Nord-Sachsen-Anhalt.

Projektleitung & Koordination:

Prof. Dr. Christian J. Apfelbacher, PhD
Projektleitung
Jun.-Prof. Dr. Claudia Buntrock
Ko-Projektleitung
Dr. Johannes Kögel
Projektkoordination

Unsere Studienthemen

Wir untersuchen, wie evidenzbasierte Versorgung und Nachsorge von Patient:innen in der Notfall- und Intensivbehandlung  umgesetzt werden können.

Bestandsaufnahme und Kartierung im Bereich Notfall- und Intensivmedizin

Das primäre Ziel im Projekt „Bestandsaufnahme und Kartierung“, ist die Gesundheitsberichterstattung zur Versorgungslage in Sachsen-Anhalt. Geografische Daten, beispielsweise zur Hausarztdichte oder Erreichbarkeit von Kliniken, werden anhand von interaktiv nutzbaren Karten grafisch dargestellt und bieten so eine Basis an Informationen zu verschiedenen versorgungsbezogenen Fragen, beispielsweise im Bereich der Notfall- und Intensivmedizin. Diese Informationen, wie etwa zum Status Quo der aktuellen Versorgungssituation in den Gemeinden Sachsen- Anhalts, werden so über die Website des ISA-Projektes sowohl der Bevölkerung, als auch Stakeholdern im Gesundheitswesen zur Verfügung gestellt.

 

Zusätzlich werden in diesem Projekt Analysen zu spezifischen Forschungsfragen, im Bereich der Intensiv- und Notfallversorgung durchgeführt. Aktuell wird beispielsweise untersucht, ob es bei Patienten und Patientinnen mit akuten ischämischen Herzerkrankungen geschlechtsspezifische Unterschiede in den Symptomen beim Eintritt in die Notaufnahmen gibt. Die Ergebnisse sollen ebenfalls in die grafischen Darstellungen einfließen.

Team:

Wencke Schindler, Kirti Rawal, Benedikt Tanzer

Ansprechpartner/in:
Wencke Schindler
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Einheitliche Dysphagie-Koststufen in Nord-Sachsen-Anhalt

Schluckstörungen (Dysphagien) treten häufig als Folge unterschiedlicher Erkrankungen, z. B. bei Schlaganfällen oder nach Operationen, auf. Sie können u. a. mit Mangelernährung, Atemnot und Erstickungsgefahr aufgrund eingeatmeter Fremdkörper beim Essen und Trinken einhergehen und daher für Betroffene lebensbedrohlich sein.

Ein möglicher Behandlungsansatz ist es, die Konsistenz von Speisen und Getränken an die persönlichen Bedarfe der Patient:innen anzupassen (Kostanpassung), um eine natürliche und sichere Nahrungsaufnahme zu ermöglichen. Einheitliche Begriffe und Beschreibungen für die unterschiedlichen Ausprägungen der Kostanpassung (auch Dysphagiekoststufen genannt) sind dabei wichtig, um Missverständnisse zwischen behandelnden Personen zu vermeiden, z. B. bei der Entlassung aus dem Krankenhaus oder der Verlegung in eine andere Einrichtung. Werden Dysphagiekoststufen nicht einheitlich verstanden, kann es passieren, dass Patient:innen eine für sie ungeeignete Nahrung erhalten, was das Risiko für lebensbedrohliche Folgen erhöht.

Mit unserem Projekt möchten wir Handlungsempfehlungen für die Vereinheitlichung von Dysphagiekoststufen in der ambulanten und stationären Versorgung in Nord-Sachsen-Anhalt entwickeln. In unserer ersten Studie führen wir eine Online-Befragung von Fachkräften, die Kostanpassungen empfehlen (z. B. Ärzt:innen, Logopäd:innen, Pflegekräfte), durch, um Informationen über die aktuelle Nutzung von Dysphagiekoststufen in der Region zu gewinnen.

Darauf aufbauend werden wir in einer zweiten Studie gemeinsam mit weiteren Expert:innen Strategien zur Einführung einheitlicher Dysphagiekoststufen entwickeln. Damit kann ein wertvoller Beitrag zu einer verbesserten Sicherheit von Patient:innen über den Versorgungsprozess hinweg geleistet werden.

Team:

Denise Walther, Wencke Schindler

Ansprechpartner/in:
Denise Walther
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Management von Sarkopenie bei chronisch fortgeschrittenen Lebererkrankungen

Bei einer Leberzirrhose (Vernarbung der Leber) kommt es häufig zu Sarkopenie – einem Abbau von Muskelmasse und-kraft. Dahinter stehen u. a. Entzündungsprozesse, eine unzureichende Versorgung mit Eiweiß und Energie sowie eine Belastung durch Stoffe, die die Leber normalerweise abbaut (z. B. Ammoniak). Im Alltag zeigt sich das als geringere Leistungsfähigkeit, erhöhte Sturzgefahr und häufiger längere Klinikaufenthalte. Studien deuten darauf hin, dass Ernährungstherapie plus gezieltes Kraft- und Ausdauertraining dem entgegenwirken kann. 

 

Zwischen den Forschungsergebnissen und der Versorgungspraxis besteht jedoch eine Umsetzungslücke: Im Klinikalltag scheitert die gute Idee oft an Abläufen, Zuständigkeiten, Zeitdruck oder technischen Schnittstellen. Unsere aktuelle Projektphase konzentriert sich daher zunächst auf die Erhebung von Barrieren und fördernden Faktoren entlang des Versorgungswegs – inklusive eines Blicks darauf, wo digitale bzw. KI-gestützte Unterstützung (z. B. bei individueller Therapieausgestaltung) sinnvoll eingebunden werden kann, ohne den klinischen Entscheidungsprozess zu ersetzen. Parallel entwickeln wir im Universitätsklinikum einen klaren Versorgungspfad, der die kombinierte Therapie aus Ernährung und Bewegung zuverlässig an den Start bringt – mit definierten Rollen, kurzen Wegen und einfachen, alltagstauglichen Hilfen (z. B. standardisiertes Screening und klare Start-Trigger). Ein besonderer Fokus liegt dabei ausschließlich auf prä-TIPS-Patient:innen und Transplantationskandidat:innen (prä-LTx).  

 

In späteren Projektphasen prüfen wir die Wirkung exemplarisch anhand Handgriffkraft und Körperzusammensetzung (BIA-Messung) und ergänzen eine gesundheitsökonomische Modellierung der Intervention. Ziel ist ein nachhaltiger Versorgungspfad, der die bewährte Kombination aus Ernährung und Bewegung dorthin bringt, wo sie zählt: zu den Patient:innen – im realen Behandlungsablauf.  

Team:

Alexander Töws, Jun.-Prof. Dr. Claudia Buntrock

Ansprechpartner/in:
Alexander Töws
Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Implementierung von Delir-Screenings in Notaufnahmen in Nord-Sachsen-Anhalt

Ein Delir ist ein akuter Verwirrtheitszustand, bei dem Menschen plötzlich die Orientierung verlieren, halluzinieren oder sich stark verändern können. Manche Betroffene sind auffällig unruhig und laut (hyperaktives Delir), andere hingegen wirken still, schläfrig oder apathisch (hypoaktives Delir) – und gerade diese Form wird oft übersehen. Besonders ältere oder schwerkranke Patient:innen sind gefährdet, etwa nach Infektionen, Operationen, durch Medikamente oder Flüssigkeitsmangel. Delire treten häufig auf und können schwerwiegende Folgen haben: Wird das Delir nicht erkannt und behandelt, steigt das Risiko für Komplikationen, Pflegebedürftigkeit oder sogar Tod.

Trotz dieser Risiken wird das Delir in Notaufnahmen bislang selten systematisch erfasst. Unser Forschungsprojekt untersucht, warum das so ist und wie die Erkennung verbessert werden kann.

In Interviews mit Pflege- und Triagekräften sowie Ärzt:innen aus Kliniken in Nord-Sachsen-Anhalt erfassen wir, wie mit Delir im Alltag umgegangen wird und welche Hürden bei der Umsetzung der aktuellen Empfehlungen bestehen (Empfehlungen der DGPPN; S3-Leitlinie der DGGPP und DGG). Dabei interessiert uns besonders, welche Rolle strukturierte Screenings – also kurze Tests mit wenigen Fragen wie das 4AT – spielen, und was im Klinikalltag realistisch umsetzbar ist, um gefährdete Patient:innen frühzeitig zu erkennen.

Die Ergebnisse sollen helfen, praxisnahe Strategien zu entwickeln, damit Delirzustände in Notaufnahmen früher erkannt und Betroffene besser versorgt werden können.

Team:

Jasmin M. Kizilirmak, PD Dr. rer. nat

Cindy Gerberding, cand. M. Sc. Psych.

Freya Auner, cand. Dr. med.

Ansprechpartner/in:
PD Dr. Jasmin M. Kizilirmak
Wissenschaftliche Gesamtkoordination

Analyse patientenseitiger Nutzungsbarrieren des bundeseinheitlichen Medikationsplans in der Notaufnahme

Um die Sicherheit bei der Einnahme von Medikamenten zu erhöhen, haben in Deutschland Patient:innen mit drei oder mehr dauerhaften Verordnungen einen gesetzlichen Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan (BMP). Dieses wichtige Dokument soll gerade im Notfall ärztlichem Personal schnell und zuverlässig über die aktuelle Medikation informieren. Die Realität in den Krankenhäusern zeigt jedoch ein anderes Bild: Die papierbasierten Pläne werden von Patient:innen oft nicht mit ins Krankenhaus gebracht, oder enthalten Fehler und sind nicht aktuell. Das ursprüngliche Ziel der erhöhten Patientensicherheit wird so häufig verfehlt.

Hier setzt unser Forschungsprojekt an der Universitätsklinik Magdeburg an. In einer wissenschaftlichen Studie untersuchen wir direkt in der Notaufnahme die alltäglichen Gründe für diese Implementierungslücke. Im Mittelpunkt steht dabei die Perspektive der Patient:innen: Was sind die konkreten, praktischen Barrieren, die einer lückenlosen und korrekten Nutzung des Plans im Weg stehen? Durch die systematische Analyse dieser Hürden wollen wir verstehen, warum das aktuelle System in der Praxis scheitert.

Ziel ist es, eine evidenzbasierte Grundlage zu schaffen. Unsere Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass zukünftige, insbesondere die anstehenden digitalen Lösungen, an den realen Bedürfnissen der Nutzer:innen ansetzen und die Arzneimitteltherapiesicherheit in Deutschland wirksam und nachhaltig verbessern.

Ansprechpartner/in:
Natalie Hoffmann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Sie wollen unsere Studien unterstützen?

Sie sind Patient:in der Notfall- und Intensivmedizin und haben Interesse, an einer unser Studien teilzunehmen.

Sie kommen aus der Praxis?

Sie haben in Ihrer Tätigkeit mit Notfall- und Intensivmedizin zu tun und haben Interesse, sich an einer unserer Studien zu beteiligen.

Team

Unser Team

Wir sind ein junges interdisziplinäres Team mit dem gemeinsamen Interesse, die gesundheitliche Versorgung von Patient:innen zu verbessern.
Prof. Dr. Christian J. Apfelbacher, PhD
Verbundleitung | Projektleitung Notfall- und Intensivmedizin
Jun.-Prof. Dr. Claudia Buntrock
Ko-Projektleitung Notfall- und Intensivmedizin
Dr. Johannes Kögel
Teilprojektkoordination Notfall- und Intensivmedizin
Alexander Töws
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Anna Willaredt
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Denise Walther
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Mary Ouma
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Natalie Hoffmann
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Wencke Schindler
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Cindy Gerberding
Masterandin Psychologie
Freya Auner
Wissenschaftliche Hilfskraft | Medizinische Doktorandin
Kirti Rawal
Wissenschaftliche Hilfskraft
Maheen Ahmed
Wissenschaftliche Hilfskraft

Neuigkeiten

Aktuelles aus unserer Forschung

Hier stellen wir Neuigkeiten zu Veranstaltungen und Fortschritten unserer Studien vor.

Delir-Studie beginnt mit Datenerhebung

Unsere Studie startet ihre Phase der Datenerhebung

Notfall- und Intensivmedizin
16.12.2025

Letzte Beiträge

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Partner

Beteiligte Institute & Kooperationspartner

Beteiligte Institute / Kliniken

Institut für Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung (ISMG) Medizinische Fakultät, Otto-von-Guericke Universität Magdeburg

Universitätsklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie (KPSM), Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.

Kooperationspartner

Prof. Dr. Michel Wensing, Professur für Versorgungsforschung und Implementierungswissenschaft, Medizinische Fakultät, Universität Heidelberg

apl. Prof. Dr. Christoph Nikendei und Nadja Gebhardt, Klinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Universitätsklinikum Heidelberg

Prof. Dr. Robert Werdehausen, Universitätsklinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie, Universitätsklinikum Magdeburg A.ö.R.

Kontakt

So erreichen Sie uns

Haben Sie Interesse, sich an unseren Studien zu beteiligen, oder Fragen zu unserer Forschung, dann nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf.